Ratgeber · Notfallvorsorge

Was tun bei Stromausfall? Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt

Bewahre Ruhe, prüfe die Ursache und trenne große Verbraucher vom Netz.

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Was tun bei Stromausfall? Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt
Orientierung · 1922 Wörter

Auf einen Blick

Thema
Notfallvorsorge
Lesezeit
9 Min.
Im Artikel
Gliederung
Aktualisiert
08.07.2026
Kurzzusammenfassung
  • Ruhe bewahren, Lage einordnen. Zuerst prüfen, ob nur deine Wohnung betroffen ist oder ein größeres Gebiet. Das entscheidet, was zu tun ist.
  • Kühl- und Gefrierschrank zulassen. Geschlossen hält der Kühlschrank etwa 4 Stunden, ein voller Gefrierschrank rund 48 Stunden.
  • Größere Störung beim Netzbetreiber melden (nicht beim Stromanbieter). Den Notruf 112 nur bei echter Gefahr nutzen.
  • Griffbereit hilft am meisten: Licht, ein batteriebetriebenes Radio, eine geladene Powerbank, Wasser, haltbare Lebensmittel und etwas Bargeld.
  • Kein Grund zur Panik. Die meisten Ausfälle sind nach Stunden behoben. Mit etwas Vorbereitung bleibst du handlungsfähig.

Plötzlich ist es dunkel, der Kühlschrank verstummt, das WLAN ist weg. Ein Stromausfall ist erst mal unangenehm, aber selten ein Drama: Das deutsche Netz ist sehr zuverlässig (die Bundesnetzagentur meldet für 2024 im Schnitt nur rund 11,7 Minuten Ausfall pro Anschluss und Jahr). Trotzdem lohnt es sich zu wissen, was in welcher Reihenfolge zu tun ist, denn großflächige Ausfälle können im Ernstfall auch mehrere Tage dauern. Dieser Ratgeber zeigt die Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt, klar und praktisch.

Sofort wichtig

Ruhe bewahren und für sicheres Licht sorgen. Prüfen, ob nur deine Wohnung oder ein größeres Gebiet betroffen ist. Kühl- und Gefrierschrank geschlossen halten. Eine größere Störung beim örtlichen Netzbetreiber melden. Den Notruf 112 nur bei echter Gefahr wählen, nicht für Rückfragen zum Strom.

Was tun bei Stromausfall: Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt

Die folgende Reihenfolge folgt der Logik der offiziellen Empfehlungen von BBK, Verbraucherzentrale und Feuerwehr: erst die Lage klären, dann Gefahren reduzieren, dann Wärme und Information sichern.

In den ersten Minuten

  • Sicheres Licht organisieren. Taschenlampe oder batteriebetriebene Leuchte nutzen. Kerzen nur standsicher und nie unbeaufsichtigt.
  • Lage eingrenzen. Haben Nachbarn noch Strom? Brennt die Straßenbeleuchtung? Dann den Sicherungskasten und die FI-Schalter kontrollieren.
  • Empfindliche und heiße Geräte ausschalten. Herdplatten, Bügeleisen, Heizlüfter, Fernseher und PC vom Netz nehmen, das vermeidet Schäden beim Wiederanlaufen. Eine Lampe eingeschaltet lassen, dann merkst du sofort, wenn der Strom zurückkommt.
  • Kühl- und Gefrierschrank geschlossen halten. So bleibt die Kälte am längsten erhalten.
  • Bei größerer Störung den Netzbetreiber melden (siehe unten). Den Notruf 112 nicht für Auskünfte blockieren.

In den ersten Stunden

  • Auf Radio umstellen. Wenn Internet und Mobilfunk ausfallen, bleiben Batterie-, Kurbel- oder Autoradio die verlässliche Informationsquelle für offizielle Hinweise.
  • Nachbarn einbeziehen. Kurz abstimmen und auf hilfebedürftige Menschen achten.
  • Wärme bündeln. Warme Kleidung und Decken nutzen, einen Aufenthaltsraum wählen, Türen geschlossen halten. Wenn Kerzen brennen, regelmäßig lüften. Nutzt du eine alternative Heizquelle, achte auf fachgerechte Aufstellung und einen Kohlenmonoxid-Melder.
  • Nur sicher kochen. Campingkocher oder Gasgrill gehören nach draußen, auf Garten oder Balkon. Niemals in der Wohnung grillen, es besteht Erstickungsgefahr.
  • Strom sparen. Powerbank schonen, das Handy gezielt nutzen, wichtige Telefonnummern auf Papier bereithalten.

Ab Tag 1

  • Auf Vorratsbetrieb umstellen. Jetzt zählen Wasser, haltbare Lebensmittel und einfache Zubereitung. Welche Mengen sinnvoll sind, zeigt unsere Notvorrat-Liste nach BBK.
  • Mit weiteren Ausfällen rechnen. Bei längeren Lagen können auch Wasser, Mobilfunk, Kartenzahlung und Aufzüge betroffen sein, in Hochhäusern besonders die Wasserversorgung.
  • Auf lokale Hinweise achten. Kommunen richten bei längeren Ausfällen Anlaufstellen oder Notfalltreffpunkte ein.
  • Beim Zurückkehren des Stroms prüfen, nicht einfach weitermachen. Geräte kontrollieren, zweifelhafte Lebensmittel entsorgen, Uhren und Heizung neu einstellen.

Nur deine Wohnung oder großflächig?

Diese Frage entscheidet, was du tust. So grenzt du es ein:

  • Nur deine Wohnung betroffen. Wenn Nachbarn, Hausflur und Straßenbeleuchtung Strom haben, liegt der Fehler meist bei dir. Sicherungskasten prüfen, Leitungsschutz- und FI-Schalter kontrollieren. Springt ein Schutzschalter sofort wieder heraus, nicht mehrfach einschalten, sondern den Stromkreis ausgeschaltet lassen und eine Elektrofachkraft hinzuziehen. In Mehrfamilienhäusern sitzt der FI manchmal im Flur oder Keller.
  • Mehrere Wohnungen oder die Straße betroffen. Dann ist eine Netzstörung wahrscheinlich. Solange Mobilfunk geht, hilft die Störungsseite des Netzbetreibers.

Wo meldet man einen Stromausfall?

Zuständig ist in der Regel der örtliche Netzbetreiber, nicht dein Stromanbieter. Den Netzbetreiber findest du auf deiner Stromrechnung, laut Bundesnetzagentur manchmal nur als Code. Der Notruf 112 ist nur für echte Gefahren gedacht, etwa Feuer, Unfall, einen schweren medizinischen Notfall oder eingeschlossene Personen im Aufzug. Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Gesundheitsprobleme ist 116117 der richtige Weg.

Wie lange hält der Kühlschrank ohne Strom?

Als vorsichtige Richtwerte gelten bei geschlossener Tür:

Haltbarkeit von Kühlgut bei Stromausfall (geschlossen)
Gerät Hält etwa
Kühlschrank ~ 4 Stunden
Gefrierschrank, voll ~ 48 Stunden
Gefrierschrank, halb voll ~ 24 Stunden

Danach solltest du leicht Verderbliches wie Fleisch, Fisch, Eier und Reste kritisch prüfen. Angetautes ist nicht automatisch Abfall: Gegarte Speisen und rohe pflanzliche Lebensmittel lassen sich unter Bedingungen weiterverarbeiten, rohe tierische Produkte müssen zuerst vollständig durcherhitzt werden, aufgetautes Speiseeis gehört weg. Wie lange ein Ausfall typischerweise dauert, liest du in Wie lange dauert ein Stromausfall?.

Was sollte griffbereit sein?

Du brauchst keine Spezialausrüstung, sondern ein paar verlässliche Basics an einem festen Platz:

LichtTaschenlampeplus Ersatzbatterien, Kerzen als Reserve
InfoRadioBatterie- oder Kurbelradio, Warn-App
StromPowerbankgeladen, plus Ersatzakkus
WärmeDeckenwarme Kleidung, Schlafsäcke
2 lWasser / Person / Tagplus haltbare Lebensmittel
Bargeldkleine ScheineKarten- und Automaten fallen aus

Dazu gehören Medikamente, Erste-Hilfe-Material, ein Dosenöffner und wichtige Telefonnummern auf Papier. Wenn jemand im Haushalt stromabhängige medizinische Geräte braucht (etwa Beatmung, Dialyse oder kühlpflichtige Medikamente), kläre die Notfalllösung vorab mit Arzt, Gerätelieferant und Netzbetreiber.

Für warme Mahlzeiten brauchst du eine vom Netz unabhängige Kochgelegenheit. Welche sicher funktioniert und worauf du achten musst, zeigt unser Ratgeber Kochen ohne Strom.

Eine kompakte LED-Laterne sorgt beim Stromausfall für gleichmäßiges Licht in einem Wohnzimmer in der Abenddämmerung
Eine kompakte LED-Laterne mit vollem Akku sorgt für gleichmäßiges Licht, wenn der Strom ausfällt.

Funktioniert das Handy bei Stromausfall noch?

Eine der häufigsten Fragen im Ernstfall. Die kurze Antwort: oft ja, aber nicht beliebig lange. Festnetz und Internet über einen DSL- oder Glasfaser-Router fallen mit dem Strom meist sofort aus, weil der Router selbst Strom braucht. Das Mobilfunknetz läuft dagegen häufig noch eine Weile weiter, denn viele Mobilfunkstationen haben eine Notstrom-Reserve, die je nach Standort aber nur einige Stunden überbrückt. Bei einem großflächigen, länger andauernden Ausfall kann deshalb auch das Handynetz nach und nach wegbrechen.

So holst du das Meiste heraus:

  • Ein Gerät als Reserve schonen. Ein Smartphone bewusst ausgeschaltet lassen, damit später noch eine geladene Reserve da ist.
  • Akku strecken. Bildschirm dunkler stellen, Flugmodus nutzen, wenn du gerade nichts brauchst, und lieber eine SMS schreiben als lange telefonieren — Textnachrichten belasten das Netz weniger und kommen oft durch, wenn Anrufe scheitern.
  • Warnungen empfangen. Offizielle Warnungen erreichen dich über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast (eine Warnmeldung, die ohne App direkt aufs Handy kommt), solange das Mobilfunknetz steht. Als Rückfallebene bleibt das Radio.
  • Notruf. 110 und 112 funktionieren netzübergreifend, solange Mobilfunk verfügbar ist. Nur bei echter Gefahr wählen.

Stromausfall je nach Situation: Nacht, Winter, Hochhaus

Was zu tun ist, hängt auch davon ab, wann und wo der Strom ausfällt. Die Grundlogik bleibt gleich, ein paar Dinge ändern sich aber:

Stromausfall in der Nacht

Zuerst eine sichere Lichtquelle in Reichweite holen, statt durch die dunkle Wohnung zu tasten — genau dafür gehört eine Taschenlampe oder kleine Laterne an einen festen Platz, idealerweise am Bett. Nachts gibt es selten einen Grund zur Eile: Kühlschrank zulassen und das Eingrenzen der Ursache notfalls bis zum Morgen verschieben, wenn keine Gefahr besteht.

Stromausfall im Winter

Die meisten Heizungen brauchen Strom — für Umwälzpumpe, Steuerung oder Brenner — und fallen mit aus. Eine gut gedämmte Wohnung kühlt aber nur langsam aus. Wähle einen Raum als Aufenthaltsraum, halte die Türen geschlossen, zieh dich warm an und nutze Decken und Schlafsäcke. Eine alternative Heizquelle nur fachgerecht aufstellen und auf einen Kohlenmonoxid-Melder achten; ein Gas- oder Spirituskocher ist keine Raumheizung.

Stromausfall im Hochhaus

Im Hochhaus kommen zwei Punkte dazu: Der Aufzug steht — sind Personen eingeschlossen, ist das ein Fall für den Notruf 112. Und die Wasserversorgung kann stocken, weil in höheren Stockwerken oft elektrische Druckpumpen den Druck aufbauen. Ein kleiner Trinkwasservorrat ist hier besonders sinnvoll.

Mit Kindern, älteren oder pflegebedürftigen Menschen

Ruhe ausstrahlen hilft am meisten, denn Kinder orientieren sich an den Erwachsenen. Vertraute Abläufe, eine kleine Lichtquelle und etwas zu trinken nehmen die Anspannung. Achte auf Medikamente, die gekühlt werden müssen, und auf stromabhängige medizinische Geräte; die Notfalllösung dafür klärst du am besten vorab mit Arzt, Gerätelieferant und Netzbetreiber. Ein kurzer Blick zu allein lebenden Nachbarn gehört dazu.

Häufige Fehler & Mythen

  • „Ich rufe erst mal 112 an und frage nach." Falsch. Der Notruf ist nur für echte Gefahren. Rückfragen blockieren die Leitungen für echte Notfälle.
  • „Zuständig ist mein Stromanbieter." Meist falsch. Melde eine Störung beim örtlichen Netzbetreiber.
  • „Wenn die Sicherung wieder fällt, drücke ich sie eben mehrfach hoch." Falsch. Springt der Schutzschalter sofort wieder heraus, deutet das auf einen Fehler hin. Stromkreis auslassen und Fachkraft rufen.
  • „Ein Grill ist drinnen eine gute Not-Kochlösung." Gefährlich falsch. Grillen gehört nach draußen, in der Wohnung droht eine Kohlenmonoxid-Vergiftung.
  • „Kerzen sind harmlos, solange ich nur kurz weg bin." Falsch. Offenes Feuer nie unbeaufsichtigt lassen.
  • „Sobald Tiefkühlkost antaut, muss alles weg." Zu pauschal. Es kommt auf Lebensmittel und Auftaugrad an, nur Speiseeis gehört in jedem Fall weg.
  • „Leitungswasser läuft immer." Falsch. Bei längeren oder großflächigen Ausfällen kann die Wasserversorgung stocken, in Hochhäusern besonders.

Vorbereiten statt improvisieren

Im Ernstfall zählt nicht, was du noch schnell besorgst, sondern was schon griffbereit liegt. Wer Licht, Information, Ladereserve und Wärme an einem festen Platz hat, bleibt handlungsfähig. Das ist der praktische Kern der Krisenvorsorge beim Thema Strom: nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Unsere Haltung

Wir verkaufen keine Angst. Die meisten Stromausfälle sind nach Stunden vorbei. Es geht um unaufgeregte, alltagstaugliche Vorsorge, damit du im seltenen Ernstfall nicht improvisieren musst.

Hintergrund: Warum der Staat den Bevölkerungsschutz bis 2029 ausbaut – und was das für deine Eigenvorsorge bedeutet.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert ein Stromausfall normalerweise?

Die meisten Ausfälle in Deutschland sind innerhalb weniger Stunden behoben. Für das Netz insgesamt meldet die Bundesnetzagentur für 2024 im Schnitt rund 11,7 Minuten Ausfall pro Anschluss und Jahr. Bei großflächigen Schäden kann die Wiederherstellung aber mehrere Tage dauern.

Wo melde ich einen Stromausfall?

In der Regel beim örtlichen Stromnetzbetreiber, nicht beim Stromanbieter. Den Netzbetreiber findest du auf deiner Energierechnung, manchmal nur als Code. Der Notruf 112 ist nur für echte Gefahren gedacht.

Wie lange bleibt der Kühlschrank ohne Strom kalt?

Als Sicherheitswert gilt: ein ungeöffneter Kühlschrank hält etwa vier Stunden, ein voller Gefrierschrank rund 48 Stunden, ein halb voller etwa 24 Stunden. Türen möglichst geschlossen halten.

Was tun, wenn nur meine Wohnung betroffen ist?

Zuerst prüfen, ob wirklich nur deine Wohnung betroffen ist (Straßenlicht, Nachbarn, Hausflur). Dann Sicherungen und FI-Schalter kontrollieren. Springt ein Schutzschalter sofort wieder heraus, nicht wiederholt einschalten, sondern eine Elektrofachkraft hinzuziehen.

Wann muss ich 112 anrufen?

Bei akuter Gefahr für Leben oder erhebliche Sachwerte, etwa Brand, Unfall, schwerem medizinischem Notfall oder eingeschlossenen Personen im Aufzug. Für Nachfragen zum Stromausfall ist der Notruf falsch. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Gesundheitsproblemen hilft 116117.

Was sollte ich mindestens zu Hause haben?

Eine sichere Lichtquelle, ein batteriebetriebenes Radio, eine geladene Powerbank, etwas Bargeld, Wasser, haltbare Lebensmittel, warme Kleidung oder Decken und eine Kochmöglichkeit ohne Strom. Dazu Medikamente, Erste Hilfe und wichtige Nummern auf Papier.

Funktioniert das Handy bei Stromausfall noch?

Oft ja, aber nicht unbegrenzt. Internet und Festnetz über den Router fallen meist sofort aus. Das Mobilfunknetz läuft häufig noch einige Stunden, weil die Stationen eine begrenzte Notstrom-Reserve haben; bei langen, großflächigen Ausfällen kann es aber ausfallen. Schone ein Gerät als Reserve, nutze SMS statt langer Anrufe und empfange Warnungen über NINA, Cell Broadcast oder das Radio.

Was tun bei Stromausfall in der Nacht?

Zuerst eine griffbereite Lichtquelle holen, statt im Dunkeln zu tasten — deshalb gehört eine Taschenlampe an einen festen Platz. Dann Ruhe bewahren, Kühl- und Gefrierschrank geschlossen lassen und, wenn keine Gefahr besteht, das Prüfen der Ursache bis zum Morgen verschieben.

Einordnung und Quellen

Einordnung & Quellen

Dieser Beitrag gibt praktische Orientierung ohne Alarmismus. Die Hinweise stützen sich auf offizielle Quellen: BBK „Stromausfall", die Verbraucherzentrale, das BfR zur Lebensmittelsicherheit sowie die Bundesnetzagentur.

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