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Anschläge auf das Stromnetz in Brandenburg und bei Köln: Warum das Licht anblieb

Am 1. September 2026 wurden zwei Umspannwerke angegriffen, in der Lausitz und bei Köln, bis zum 4. September folgten weitere Aufbauten und ein Bekennerschreiben. Kein flächiger Stromausfall. Warum das Netz hielt, wer sich bekannt

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Anschläge auf das Stromnetz in Brandenburg und bei Köln: Warum das Licht anblieb
Orientierung · 3285 Wörter

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Aktuelle Ereignisse
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Aktualisiert
04.09.2026
Lage Kein flächiger Stromausfall, Fahndung nach einem Verdächtigen läuft Stand 4. September 2026, 21:30 Uhr

Am Morgen des 1. September 2026 kam es am Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg zu einem Kurzschluss an einer Höchstspannungsleitung. Am Abend desselben Tages fielen bei Bergheim westlich von Köln Kraftwerkszuleitungen aus. Bis zum 4. September fanden Polizei und Passanten weitere, nicht ausgelöste Aufbauten bei Dormagen, am Kraftwerk Weisweiler und an zwei Umspannwerken in Sachsen. Ein mit Namen unterschriebenes Bekennerschreiben liegt vor, ein Verdächtiger wird gesucht. Und überall blieb bei den Menschen das Licht an. Dieser Beitrag ordnet ein, was passiert ist, warum das Stromnetz die Angriffe abgefangen hat und was die Fälle mit echtem Stromausfall aus den letzten zwölf Monaten für einen normalen Haushalt bedeuten. Ohne Alarmismus, mit Quellen und Datum.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Serie in vier Tagen. Am 1. September 2026 wurden die Umspannwerke Turnow-Preilack in Brandenburg und Bergheim-Rheidt bei Köln angegriffen, bis zum 4. September folgten Funde nicht ausgelöster Aufbauten bei Dormagen, am Kraftwerk Weisweiler und bei Schleife in Sachsen.
  • Kein flächiger Stromausfall. 50Hertz und Amprion bestätigen, dass die allgemeine Versorgung zu keinem Zeitpunkt betroffen war, vom Netz gingen Kraftwerksblöcke, die Gemeinde Rommerskirchen berichtet von zeitweisen Ausfällen in wenigen Straßen.
  • Das Netz hielt wegen seiner Reserve. Das Höchstspannungsnetz ist so geplant, dass der Ausfall einer einzelnen Leitung keine Versorgungslücke reißt, die Netzfrequenz sank bei Köln kurz auf 49,910 Hertz.
  • Ein Bekennerschreiben und ein Verdächtiger. Ein Mann aus Nordrhein-Westfalen erklärt in handschriftlichen Briefen, allein gehandelt zu haben, die Ermittler halten die Schreiben für echt, eine Festnahme gab es bis zum 4. September nicht.
  • Anschläge treffen Haushalte trotzdem. Berlin im Januar 2026 mit gut vier Tagen, Johannisthal 2025 mit 60 Stunden und Reutlingen im Juni 2026 zeigen, wo die Reserve fehlt.
  • Vorsorge bleibt ein Alltagsthema. Die EU nennt 72 Stunden Eigenversorgung als Mindestmaß, das BBK empfiehlt einen Vorrat für 10 Tage mit rund 2 Litern Wasser pro Person und Tag.
6Umspannwerke betroffenBrandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, 1. bis 4. September
0flächige Stromausfällelaut 50Hertz und Amprion
5Kraftwerksblöcke vom NetzRWE im Rheinland, 4.200 Megawatt
4 TageBerlin im Januar 202645.000 Haushalte nach einem Brandanschlag

Was seit dem 1. September 2026 passiert ist

Die Fakten stammen aus den Mitteilungen der Landesregierung Brandenburg, des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen, der Polizei, der Netzbetreiber 50Hertz und Amprion sowie aus Agenturberichten vom 1. bis 4. September. Einige Zahlen haben sich innerhalb von Stunden geändert, deshalb steht oben ein Datum.

Morgens in Brandenburg, am Umspannwerk Turnow-Preilack

  1. 1. September, gegen 7:30 Uhr
    Kurzschluss in der Lausitz. An einer 380-Kilovolt-Leitung des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz am Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße kommt es zu einem Kurzschluss. Block B des benachbarten Braunkohlekraftwerks Jänschwalde schaltet sich automatisch ab.
  2. 1. September, gegen 8 Uhr
    Polizei und Entschärfer vor Ort. Das Landeskriminalamt findet auf dem Gelände mehr als ein Dutzend selbstgebaute Vorrichtungen mit Treibsatz. Die meisten haben nicht ausgelöst.
  3. 1. September, Nachmittag
    Landesregierung äußert sich. Ministerpräsident Woidke spricht von einem Anschlagsversuch, Innenminister Redmann von einer gezielten Sabotageaktion. Ein Bekennerschreiben gibt es nicht.
  4. 1. September, Abend
    Wiederanfahren eingeleitet. Der Kraftwerksbetreiber LEAG beginnt, Block B wieder ans Netz zu bringen. Die Versorgung der Haushalte war laut 50Hertz zu keiner Zeit beeinträchtigt.
  5. 2. September, 2 Uhr
    Block B wieder am Netz. Laut LEAG läuft der Block seit der Nacht wieder vollständig, Personal und Anlagen blieben unbeschädigt.
  6. 3. September
    Bekennerschreiben bei der taz. Ein handschriftlicher Brief mit Namen und Adresse, abgeschickt in Nordrhein-Westfalen, beschreibt rund 20 aufgestellte Aufbauten und nennt als Motiv die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Die Polizei Brandenburg konnte die Echtheit zunächst weder bestätigen noch dementieren.
  7. 4. September
    Fahndung nach einem Einzeltäter. Ermittler durchsuchen das Wohnhaus eines 48-Jährigen in Gevelsberg und stürmen ein Wohnmobil in einem Wald bei Niederzier, beide Male ohne Festnahme. Bundesinnenminister Dobrindt spricht von eindeutigem Täterwissen in den Schreiben und von Klimaextremismus, die Fahndung läuft europaweit.

Nach Angaben von 50Hertz waren die Leitungen nur kurz unterbrochen und schnell wieder im Regelbetrieb. Innenminister Jan Redmann sagte am 2. September im Innenausschuss des Landtags, von den deponierten Vorrichtungen habe nur eine ihr Ziel erreicht, die Täter seien offenbar schon Tage vorher auf dem Gelände gewesen. Sein Fazit vom Vortag lautete „Das war kein Kinderstreich" (Pressekonferenz, 1. September 2026). Die Landesregierung wertet das Ziel der Tat als großflächiger Stromausfall. Am 3. September kündigte Redmann ein Sicherheitszentrum des Landes und ein Beleihungsgesetz an, damit Betreiber kritischer Anlagen Kameraüberwachung und Drohnenabwehr selbst organisieren dürfen. Wie die Vorrichtungen im Einzelnen funktionierten, beschreiben wir bewusst nicht.

Abends bei Köln, am Umspannwerk Bergheim-Rheidt

  1. 1. September, gegen 20 Uhr
    Kurzschluss im Rheinland. Im Bergheimer Ortsteil Rheidt im Rhein-Erft-Kreis, rund 25 Kilometer westlich von Köln, fallen nach einem Kurzschluss Kraftwerkszuleitungen im Umfeld der Amprion-Anlage Rommerskirchen aus. Die Polizei wird zunächst wegen einer technischen Störung gerufen.
  2. 2. September, Vormittag
    Fünf Kraftwerksblöcke vom Netz. RWE meldet, dass in Neurath und Niederaußem fünf Braunkohleblöcke mit zusammen 4.200 Megawatt abgeschaltet wurden. Ein Teil kehrt im Laufe des Tages zurück, zwei Blöcke erst am Wochenende.
  3. 2. September, Mittag
    Ermittler sprechen von Absicht. Die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus, NRW-Innenminister Herbert Reul nennt einen „Anfangsverdacht verfassungsfeindlicher Sabotage" (2. September 2026). Drei der fünf RWE-Blöcke kehren im Laufe des Tages ans Netz zurück, zwei sollen am Wochenende folgen.
  4. 3. September, 18:15 Uhr
    Fund bei Dormagen. Ein Spaziergänger entdeckt am Umspannwerk Dormagen-Gohr nicht ausgelöste Abschussvorrichtungen mit Zeitschaltuhr, die Polizei Köln spricht von einem versuchten Sabotagedelikt.
  5. 4. September
    Weitere Fundorte. Am Kraftwerk Weisweiler sichert die Polizei Drähte auf einem Feld, in Sachsen werden an zwei Umspannwerken bei Schleife vier verdächtige Objekte entschärft. Die Polizei Köln führt die Ermittlungen zur gesamten Serie, der Generalbundesanwalt prüft die Übernahme.

Amprion schreibt in seiner Pressemitteilung vom 2. September, mit hoher Wahrscheinlichkeit sei von Fremdeinwirkung auszugehen. Im selben Text heißt es, „die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen". Berichte über den Einsatz von Drohnen bestätigte keine Behörde. Nach Angaben der Ermittler wurde leitfähiges Material über eine Freileitung gelegt. Auswertungen der Netzdaten zeigen, wie knapp es war. Die Netzfrequenz sank um 20 Uhr auf 49,910 Hertz, rund 2.400 Megawatt fehlten binnen Sekunden, und der Ausgleichsstrom kostete um 20:45 Uhr fast 4.000 Euro je Megawattstunde (pv magazine, 4. September). Alle betroffenen Anlagen gehören zur kritischen Infrastruktur, deren Schutz seit dem Berliner Anschlag im Januar politisch ganz oben steht.

Ermittlungsstand

Seit dem 3. September liegen zwei handschriftliche Bekennerschreiben vor, unterschrieben mit Namen und Adresse. Der Verfasser, ein 48-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen, gibt an, allein gehandelt zu haben, und nennt als Motiv die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Bundesinnenminister Dobrindt sprach am 4. September von „eindeutigem Täterwissen" und von Klimaextremismus eines mutmaßlichen Einzeltäters, NRW-Innenminister Reul sieht derzeit „weniger für die staatlich fremde Macht". Die Polizei Köln behält sich vor, dass es sich um einen Trittbrettfahrer handeln könnte. Zuvor hatten die Ermittler auch Linksextremismus und ausländische Akteure geprüft. Eine Festnahme gab es bis zum Stand dieses Beitrags nicht. Namen nennen wir nicht, es gilt die Unschuldsvermutung.

Warum diesmal kein Stromausfall kam

Beide Angriffe trafen die oberste Ebene des Stromnetzes. Das Höchstspannungsnetz mit 380 und 220 Kilovolt verbindet Kraftwerke, Windparks und Regionen miteinander. Es ist als Maschennetz gebaut und nach einer einfachen Regel geplant, die Netzplaner n-1 nennen. Sie bedeutet, dass jede einzelne Leitung, jeder Transformator und jeder Kraftwerksblock ausfallen darf, ohne dass irgendwo die Versorgung abreißt. Genau das ist am 1. September passiert. Die Kurzschlüsse lösten Schutzschaltungen aus, Leitungen und Kraftwerksblöcke gingen vom Netz, der Rest des Netzes übernahm die Last. 50Hertz nennt dazu einen zweiten Faktor, an diesem Tag speisten Sonne und Wind viel Strom ein.

Radfahrer auf einem Feldweg im Morgenlicht, am Horizont die Silhouetten von Freileitungsmasten
Das Höchstspannungsnetz verbindet Regionen und trägt den Ausfall einer einzelnen Leitung.

Ganz anders sieht es eine Ebene tiefer aus. Das Verteilnetz mit 110 Kilovolt und weniger versorgt Stadtteile und Straßenzüge. Dort gibt es oft nur eine oder zwei Zuleitungen, und wenn beide gleichzeitig zerstört werden, bleibt ein ganzer Bezirk dunkel, bis die Reparatur abgeschlossen ist. In Berlin-Lichterfelde brannten im Januar 2026 fünf Kabel der 110-Kilovolt-Ebene und zehn Mittelspannungskabel auf einer einzigen Kabelbrücke. Deshalb dauerte der Ausfall dort gut vier Tage. Die Angriffe vom 1. September zielten auf ein Netz mit Reserve, die Berliner Anschläge trafen ein Netz ohne Reserve.

Einordnung

Der Innenminister sprach am 2. September von Glück, weil die meisten Vorrichtungen nicht auslösten. Beides gehört zur Bewertung, die eingebaute Reserve des Höchstspannungsnetzes und der Zufall. Bundesinnenminister Dobrindt sagte am selben Tag, Deutschland sei „tägliches Ziel hybrider Kriegsführung", auch wenn die aktuelle Serie nach Stand der Ermittler eher auf einen Einzeltäter zurückgeht. Für Haushalte heißt das, ein Angriff auf das Übertragungsnetz führt nicht automatisch zum Blackout, ein Angriff auf das Verteilnetz vor der Haustür kann dagegen mehrere Tage kosten.

Wann Anschläge Haushalte doch treffen

Innerhalb von zwölf Monaten gab es in Deutschland vier Anschläge oder mutmaßliche Anschläge auf das Stromnetz mit sehr unterschiedlichen Folgen. Die Tabelle zeigt, dass die Dauer weniger vom Angriff abhängt als von der Netzebene, die getroffen wird.

Fall Wann Betroffen Dauer Ursache
Berlin-Lichterfelde 3. bis 7. Januar 2026 rund 45.000 Haushalte, 2.200 Gewerbekunden gut vier Tage Brandanschlag auf eine Kabelbrücke
Berlin-Johannisthal 9. bis 11. September 2025 rund 50.000 Kunden 60 Stunden Brandanschlag auf zwei Strommasten
Reutlingen 8. Juni 2026 rund 20.000 Haushalte (Landratsamt) mehrere Stunden Brand im Umspannwerk, mutmaßlich Brandstiftung
Turnow-Preilack, Bergheim, Dormagen, Weisweiler, Schleife 1. bis 4. September 2026 keine flächigen Ausfälle keine Unterbrechung Sabotageserie am Höchstspannungsnetz

Der Berliner Fall ist der Maßstab, weil er mitten im Winter bei Frost mehrere Tage dauerte. Über 45.000 Haushalte, mehrere Krankenhäuser und 74 Pflegeheime hingen an Notstrom oder warteten darauf. Wie sich die Dauer eines Stromausfalls je nach Ursache unterscheidet, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben, ebenso die Lehren aus Berlin-Nikolassee und Reutlingen.

Was in den ersten Stunden ohne Strom ausfällt

Was passiert bei einem Stromausfall im Haushalt, wenn er nicht nach zwanzig Minuten vorbei ist? Die Berliner Tage im Januar 2026 liefern dafür belastbare Beobachtungen der Katastrophenforschungsstelle der FU Berlin und der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Die Reihenfolge ist fast immer dieselbe.

Licht und Netz 0 bis 1 Stunde
  • Licht, Router und WLAN fallen sofort aus, das Festnetztelefon meist mit.
  • Aufzüge bleiben stehen, Ampeln gehen aus. In Johannisthal regelte die Polizei den Verkehr per Hand.
  • Das Handy funktioniert zunächst noch, weil Mobilfunkmasten eine kurze Notstromreserve haben.
  • Wer eine Taschenlampe am festen Platz hat, merkt in dieser Phase kaum etwas.
Wärme und Handy 1 bis 6 Stunden
  • Die Heizung steht, auch Gas- und Fernwärmeheizungen brauchen Strom für Pumpen und Steuerung. In Berlin passierte das bei Frost.
  • Der Mobilfunk bricht weg. In Berlin fielen 86 Mobilfunkstandorte aus, Notrufe waren beeinträchtigt.
  • Kartenzahlung und Geldautomaten fallen aus, Supermärkte schließen. Nur Bargeld zählt noch.
  • Warnungen kommen über Cell Broadcast und die App NINA, solange Netz und Akku reichen.
Kühlung und Wasser 6 bis 24 Stunden
  • Der geschlossene Kühlschrank hält die Kälte als Faustregel einige Stunden, die volle Gefriertruhe rund einen Tag.
  • In Hochhäusern stehen die Wasserpumpen, obere Stockwerke bleiben ohne Wasser. Warmwasser fällt fast überall weg.
  • Kochen geht nur noch ohne Strom, also mit Campingkocher im Freien oder gar nicht.
  • Jetzt entscheidet sich, ob Wasser und kalt essbare Lebensmittel für die Familie reichen.
Versorgung und Hilfe Ab Tag 2
  • Krankenhäuser und Pflegeheime laufen auf Notstrom, in Berlin lieferte die Bundeswehr Kraftstoff für Aggregate.
  • Händler entsorgen verderbliche Ware, Ämter und Postfilialen bleiben geschlossen.
  • Ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbel wird zur wichtigsten Informationsquelle.
  • Nachbarschaft und Notfalltreffpunkte gewinnen an Bedeutung, wie in Reutlingen zum Laden von Handys.
Mann füllt in einer Hochhausküche im Dämmerlicht Wasserflaschen am Hahn, eine kleine Laterne steht auf dem Tisch
In Hochhäusern fällt das Wasser aus, sobald die Pumpen stehen. Ein Vorrat von 2 Litern pro Person und Tag überbrückt die ersten Tage.

Stromausfall-Vorsorge ohne Alarmismus

Die Angriffe dieser Woche sind kein Grund, den Keller vollzupacken. Sie sind ein Anlass, die einfachen Dinge zu prüfen, die in Berlin, Johannisthal und Reutlingen den Unterschied gemacht haben. Zwei amtliche Orientierungen helfen dabei. Die EU-Kommission nennt in ihrer Vorsorgestrategie vom März 2025 mindestens 72 Stunden Eigenversorgung als Ziel für jeden Haushalt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt einen Vorrat für 10 Tage, darunter rund 2 Liter Wasser pro Person und Tag. Ein Vorrat für drei Tage ist der sinnvolle Einstieg, den man Schritt für Schritt ausbauen kann.

Selbst-Check für Ihren Haushalt
Haken Sie an, was bei Ihnen schon vorhanden ist.

Wer tiefer einsteigen will, findet die Vorsorge in unseren bestehenden Ratgebern ausführlich beschrieben. Die vollständige Liste zum Abhaken steht in der Blackout-Checkliste für 14 Tage. Was in ein Notfallpaket für den Stromausfall gehört, haben wir Stück für Stück aufgeschrieben, ebenso wie Sie einen Wasservorrat anlegen. Die passende Menge für Ihren Haushalt rechnet der Notvorrat-Rechner in fünf Fragen aus. Wer über Notstrom nachdenkt, findet im Beitrag zur Powerstation bei Stromausfall eine nüchterne Einordnung. Den politischen Rahmen, also den Ausbau des Zivilschutzes bis 2029, beschreibt unser Zivilschutz-Beitrag. Am 10. September folgt außerdem der bundesweite Warntag, eine gute Gelegenheit, die eigenen Warnkanäle zu prüfen.

Wenn Sie es kompakt lösen wollen

Es gibt zwei Wege zur gleichen Vorsorge. Sie stellen Licht, Radio, Powerbank, Wasser und Lebensmittel selbst zusammen, mit Supermarkt, Baumarkt und einem Nachmittag Zeit. Oder Sie nehmen ein fertiges Set und stellen es in den Schrank. Beides funktioniert, der Unterschied ist der Aufwand. Unsere Sets ersetzen weder den Wasservorrat noch den 10-Tage-Vorrat nach BBK, sie decken die ersten Stunden und Tage ab, in denen es in Berlin und Reutlingen eng wurde.

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Häufige Fragen zu den Anschlägen auf das Stromnetz

Gab es am 1. September 2026 einen Stromausfall in Brandenburg oder Köln?

Keinen flächigen. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz bestätigt für Turnow-Preilack, dass die allgemeine Versorgung zu keiner Zeit beeinträchtigt war. Amprion schreibt für den Vorfall bei Bergheim, die allgemeine Stromversorgung sei zu keinem Zeitpunkt betroffen gewesen. Vom Netz gingen Kraftwerksblöcke, ein Block in Jänschwalde und fünf Blöcke von RWE im Rheinland. Die Gemeinde Rommerskirchen berichtet von zeitweisen Ausfällen in wenigen Straßen in Bedburg und Bergheim, die Netzbetreiber haben das bis zum 4. September nicht bestätigt.

Wer steckt hinter den Anschlägen auf das Stromnetz?

Seit dem 3. September liegen zwei handschriftliche Bekennerschreiben vor, mit Namen und Adresse unterschrieben. Der Verfasser, ein 48-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen, gibt an, allein gehandelt zu haben, und nennt als Motiv die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Bundesinnenminister Dobrindt sprach am 4. September von eindeutigem Täterwissen und von Klimaextremismus eines mutmaßlichen Einzeltäters, NRW-Innenminister Reul sieht derzeit wenig, was für eine fremde Macht spricht. Die Polizei Köln, die die Ermittlungen zur Serie führt, prüft weiter, ob es sich um einen Trittbrettfahrer handeln könnte. Zuvor hatten die Ermittler auch Linksextremismus und ausländische Akteure geprüft, in Brandenburg lautet der Vorwurf unter anderem verfassungsfeindliche Sabotage. Eine Festnahme gab es bis zum 4. September nicht, der Generalbundesanwalt prüft die Übernahme.

Was ist die Vulkangruppe und steckt sie hinter den Anschlägen?

Die Vulkangruppe ist ein Name, unter dem sich linksextreme Täter in der Vergangenheit zu Anschlägen auf Stromleitungen bekannt haben, etwa 2024 bei Tesla in Grünheide und zum Brandanschlag in Berlin-Lichterfelde im Januar 2026. Für die Serie vom September 2026 gibt es keinen belegten Bezug. Der Verfasser der Bekennerschreiben erklärt, allein gehandelt zu haben, und grenzt sich ausdrücklich von der linken Szene ab. Die Ermittler gehen nach Stand vom 4. September von einem Einzeltäter aus.

Wie sicher ist das deutsche Stromnetz gegen Sabotage?

Das Höchstspannungsnetz ist nach dem n-1-Prinzip gebaut, jede einzelne Leitung darf ausfallen, ohne dass die Versorgung abreißt. Genau das hat am 1. September funktioniert, Amprion spricht davon, dass alles konzeptgemäß lief. Kritische Infrastruktur bleibt trotzdem verwundbar, vor allem die mehr als 300 Umspannwerke der Höchstspannungsebene und das Verteilnetz vor der Haustür. Der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen zählt rund 1.200 Umspannwerke ohne Perimeterschutz. Das KRITIS-Dachgesetz gilt seit März 2026, die Verordnungen dazu fehlen noch, Brandenburg kündigte am 3. September ein Sicherheitszentrum und ein Beleihungsgesetz für Betreiber an.

Wo sehe ich, ob bei mir gerade der Strom weg ist?

Zuerst am Sicherungskasten und bei den Nachbarn. Ob ein ganzer Ort betroffen ist, zeigt die Störungsauskunft des örtlichen Netzbetreibers, in Brandenburg zum Beispiel E.DIS, im Rhein-Erft-Kreis Westnetz, bundesweit die Seite stoerungsauskunft.de. Fällt mit dem Strom auch der Mobilfunk aus, bleibt ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbel die verlässlichste Quelle für Behördenmeldungen.

Wie lange dauert ein Stromausfall nach einem Anschlag?

Das hängt davon ab, welche Netzebene getroffen wird. Am Höchstspannungsnetz hielt die Reserve, es gab keinen Ausfall. Im Berliner Verteilnetz dauerte der Ausfall nach dem Brandanschlag im Januar 2026 gut vier Tage, in Johannisthal im September 2025 rund 60 Stunden, in Reutlingen im Juni 2026 mehrere Stunden. Zu Beginn sieht jeder Ausfall gleich aus, deshalb lohnt es sich, die ersten Stunden im Haushalt ohne Hilfe von außen zu überbrücken.

Wie lange hält der Kühlschrank ohne Strom?

Ein geschlossener Kühlschrank hält die Kälte als Faustregel einige Stunden, eine volle Gefriertruhe rund einen Tag. Die Tür bleibt zu, bis der Strom wieder da ist. In Berlin mussten Händler nach mehreren Tagen verderbliche Ware entsorgen, im normalen Haushalt zählt vor allem, was in den ersten 24 Stunden ohne Kühlung gegessen werden kann.

Hat man bei einem Stromausfall noch Wasser?

In den meisten Wohnungen zunächst ja, weil die Wasserwerke Notstrom haben. In Hochhäusern fällt der Druck aus, sobald die Pumpen stehen, in Berlin blieben obere Stockwerke deshalb ohne Wasser. Warmwasser fällt fast überall weg. Das BBK empfiehlt rund 2 Liter Wasser pro Person und Tag als Vorrat, für drei Tage sind das sechs Liter pro Person.

Funktioniert das Handy bei einem Stromausfall?

Anfangs meist ja. Mobilfunkmasten haben nur eine kurze Notstromreserve, in Berlin fielen im Januar 2026 86 Mobilfunkstandorte aus und Notrufe waren beeinträchtigt. Warnungen per Cell Broadcast und über die App NINA kommen nur an, solange Netz und Akku reichen. Handy laden ohne Strom geht nur mit einer geladenen Powerbank oder einer Solar-Powerbank. Ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbel bleibt deshalb die verlässlichste Informationsquelle.

Wie viel Vorrat empfiehlt das BBK?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nennt einen Vorrat für 10 Tage als Ziel, mit rund 2 Litern Wasser pro Person und Tag. Die EU-Kommission nennt in ihrer Vorsorgestrategie vom März 2025 mindestens 72 Stunden Eigenversorgung. Ein Vorrat für drei Tage ist ein sinnvoller Einstieg, der sich schrittweise ausbauen lässt.

Quellen und Stand

Stand 4. September 2026, 21:30 Uhr. Dieser Beitrag wird aktualisiert, wenn Behörden oder Netzbetreiber neue gesicherte Angaben veröffentlichen. Zahlen zu Betroffenen und Dauer stammen aus den jeweils genannten Quellen, Zitate sind mit Sprecher und Datum gekennzeichnet. Die Empfehlungen zur Vorsorge folgen dem BBK und der EU-Kommission, unsere Produkte sind davon unabhängig und nicht behördlich geprüft oder empfohlen.

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