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Anschläge auf das Stromnetz in Brandenburg und bei Köln: Warum es keinen flächigen Ausfall gab

Am 1. September 2026 wurden zwei Umspannwerke in der Lausitz und bei Köln angegriffen. Einen flächigen Stromausfall gab es nicht. Warum das Netz hielt und was ein Haushalt daraus mitnimmt. Stand 14.10.2026.

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Anschläge auf das Stromnetz in Brandenburg und bei Köln: Warum es keinen flächigen Ausfall gab
Orientierung · 3676 Wörter

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Veröffentlicht
02.09.2026
Bericht Kein flächiger Stromausfall. Am 8. September wurde ein Verdächtiger festgenommen, es gilt die Unschuldsvermutung. Stand dieses Berichts: 14.10.2026. Wir schreiben ihn nicht mehr fort.

Am Morgen des 1. September 2026 kam es am Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg zu einem Kurzschluss an einer Höchstspannungsleitung. Am Abend desselben Tages fielen bei Bergheim westlich von Köln Kraftwerkszuleitungen aus. Bis zum 4. September fanden Polizei und Passanten weitere, nicht ausgelöste Aufbauten bei Dormagen, am Kraftwerk Weisweiler und an zwei Umspannwerken in Sachsen. Am 3. September tauchte ein mit Namen unterschriebenes Bekennerschreiben auf, am 8. September wurde ein Verdächtiger festgenommen, am 10. September übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Einen flächigen Stromausfall gab es nicht, in einem angrenzenden Ort war die Versorgung laut Bundesanwaltschaft zeitweilig beeinträchtigt. Dieser Beitrag ordnet ein, was passiert ist, warum das Stromnetz die Angriffe abgefangen hat und was die Fälle mit Stromausfall von September 2025 bis Juni 2026 für einen normalen Haushalt bedeuten. Alles mit Quellen und Datum. Was bei einem Stromausfall zu tun ist, halten wir im Ratgeber Was tun bei Stromausfall aktuell.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Serie in vier Tagen. Am 1. September 2026 wurden die Umspannwerke Turnow-Preilack in Brandenburg und Bergheim-Rheidt bei Köln angegriffen, bis zum 4. September folgten Funde nicht ausgelöster Aufbauten bei Dormagen, am Kraftwerk Weisweiler und bei Schleife in Sachsen.
  • Kein flächiger Stromausfall. 50Hertz und Amprion bestätigten, dass die allgemeine Versorgung zu keinem Zeitpunkt betroffen war, vom Netz gingen Kraftwerksblöcke. Laut Bundesanwaltschaft war die Versorgung in einem angrenzenden Ort zeitweilig beeinträchtigt, die Gemeinde Rommerskirchen berichtete von zeitweisen Ausfällen in wenigen Straßen.
  • Das Netz hielt wegen seiner Reserve. Das Höchstspannungsnetz ist so geplant, dass der Ausfall einer einzelnen Leitung keine Versorgungslücke reißt, die Netzfrequenz sank bei Köln kurz auf 49,910 Hertz.
  • Ein Bekennerschreiben und ein Verdächtiger. Ein Mann aus Nordrhein-Westfalen erklärte in handschriftlichen Briefen, allein gehandelt zu haben, die Ermittler hielten die Schreiben für echt. Am 8. September wurde ein Verdächtiger festgenommen und kam in Untersuchungshaft, es gilt die Unschuldsvermutung.
  • Anschläge treffen Haushalte trotzdem. Berlin im Januar 2026 mit gut vier Tagen, Johannisthal 2025 mit 60 Stunden und Reutlingen im Juni 2026, dort mutmaßlich Brandstiftung, zeigen, wo die Reserve fehlt.
  • Vorsorge bleibt ein Alltagsthema. Die EU nennt 72 Stunden Eigenversorgung als Mindestmaß, das BBK empfiehlt, sich möglichst 10 Tage selbst versorgen zu können, mit rund 2 Litern Wasser pro Person und Tag.
2Kurzschlüsse an UmspannwerkenTurnow-Preilack und Bergheim-Rheidt, 1. September, laut Bundesanwaltschaft
0flächige Stromausfällelaut 50Hertz und Amprion, ein Ort zeitweilig beeinträchtigt
5Kraftwerksblöcke vom NetzRWE im Rheinland, 4.200 Megawatt
4 TageBerlin im Januar 202645.000 Haushalte nach einem Brandanschlag

Was seit dem 1. September 2026 passiert ist

Die Fakten stammen aus den Mitteilungen der Landesregierung Brandenburg, des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen, der Polizei, der Netzbetreiber 50Hertz und Amprion, der Bundesanwaltschaft sowie aus Agenturberichten vom 1. September bis 14. Oktober 2026. Einige Zahlen änderten sich damals innerhalb von Stunden, der Stand dieses Berichts steht oben.

Morgens in Brandenburg, am Umspannwerk Turnow-Preilack

  1. 1. September, gegen 7:30 Uhr
    Kurzschluss in der Lausitz. An einer 380-Kilovolt-Leitung des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz am Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße kam es zu einem Kurzschluss. Block B des benachbarten Braunkohlekraftwerks Jänschwalde schaltete sich automatisch ab.
  2. 1. September, gegen 8 Uhr
    Polizei und Entschärfer vor Ort. Das Landeskriminalamt fand auf dem Gelände mehr als ein Dutzend selbstgebaute Vorrichtungen mit Treibsatz. Die meisten hatten nicht ausgelöst.
  3. 1. September, Nachmittag
    Landesregierung äußerte sich. Ministerpräsident Woidke sprach von einem Anschlagsversuch, Innenminister Redmann von einer gezielten Sabotageaktion. Ein Bekennerschreiben gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.
  4. 1. September, Abend
    Wiederanfahren eingeleitet. Der Kraftwerksbetreiber LEAG begann, Block B wieder ans Netz zu bringen. Die Versorgung der Haushalte war laut 50Hertz zu keiner Zeit beeinträchtigt.
  5. 2. September, 2 Uhr
    Block B wieder am Netz. Laut LEAG lief der Block seit der Nacht wieder vollständig, Personal und Anlagen blieben unbeschädigt.
  6. 3. September
    Bekennerschreiben bei der taz. Ein handschriftlicher Brief mit Namen und Adresse, abgeschickt in Nordrhein-Westfalen, beschrieb rund 20 aufgestellte Aufbauten und nannte als Motiv die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Die Polizei Brandenburg konnte die Echtheit zunächst weder bestätigen noch dementieren.
  7. 4. September
    Fahndung nach einem Einzeltäter. Ermittler durchsuchten ein Wohnhaus in Nordrhein-Westfalen und stürmten ein Wohnmobil in einem Wald bei Niederzier, beide Male ohne Festnahme. Bundesinnenminister Dobrindt sprach von eindeutigem Täterwissen in den Schreiben und von Klimaextremismus, die Fahndung lief europaweit.
  8. 8. September
    Festnahme. Ein Verdächtiger wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
  9. 10. September
    Bundesanwaltschaft übernahm. Der Generalbundesanwalt übernahm die Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und der Staatsanwaltschaften Cottbus und Köln wegen versuchter und vollendeter verfassungsfeindlicher Sabotage und Störung öffentlicher Betriebe. Die polizeilichen Ermittlungen führte das Bundeskriminalamt.
  10. 8. Oktober
    Haftbefehl in Vollzug. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof setzte den Haftbefehl in Vollzug. Eine Anklage war nach Presselage vom 14. Oktober 2026 nicht bekannt.

Nach Angaben von 50Hertz waren die Leitungen nur kurz unterbrochen und schnell wieder im Regelbetrieb. Innenminister Jan Redmann sagte am 2. September im Innenausschuss des Landtags, von den deponierten Vorrichtungen habe nur eine ihr Ziel erreicht, die Täter seien offenbar schon Tage vorher auf dem Gelände gewesen. Sein Fazit vom Vortag lautete „Das war kein Kinderstreich" (Pressekonferenz, 1. September 2026). Die Landesregierung wertete das Ziel der Tat als großflächiger Stromausfall. Am 3. September kündigte Redmann ein Sicherheitszentrum des Landes und ein Beleihungsgesetz an, damit Betreiber kritischer Anlagen Kameraüberwachung und Drohnenabwehr selbst organisieren dürfen. Wie die Vorrichtungen im Einzelnen funktionierten, beschreiben wir absichtlich nicht.

Abends bei Köln, am Umspannwerk Bergheim-Rheidt

  1. 1. September, gegen 20 Uhr
    Kurzschluss im Rheinland. Im Bergheimer Ortsteil Rheidt im Rhein-Erft-Kreis, rund 25 Kilometer westlich von Köln, fielen nach einem Kurzschluss Kraftwerkszuleitungen im Umfeld der Amprion-Anlage Rommerskirchen aus. Die Polizei wurde zunächst wegen einer technischen Störung gerufen.
  2. 2. September, Vormittag
    Fünf Kraftwerksblöcke vom Netz. RWE meldete, dass in Neurath und Niederaußem fünf Braunkohleblöcke mit zusammen 4.200 Megawatt abgeschaltet wurden. Ein Teil kehrte im Laufe des Tages zurück.
  3. 2. September, Mittag
    Ermittler sprachen von Absicht. Die Polizei ging von einer vorsätzlichen Tat aus, NRW-Innenminister Herbert Reul nannte einen „Anfangsverdacht verfassungsfeindlicher Sabotage" (2. September 2026). Drei der fünf RWE-Blöcke kehrten im Laufe des Tages ans Netz zurück.
  4. 3. September, 18:15 Uhr
    Fund bei Dormagen. Ein Spaziergänger entdeckte am Umspannwerk Dormagen-Gohr nicht ausgelöste Abschussvorrichtungen mit Zeitschaltuhr, die Polizei Köln sprach von einem versuchten Sabotagedelikt.
  5. 4. September
    Weitere Fundorte. Am Kraftwerk Weisweiler sicherte die Polizei Drähte auf einem Feld, in Sachsen wurden an zwei Umspannwerken bei Schleife vier verdächtige Objekte entschärft. Die Polizei Köln führte zu diesem Zeitpunkt die Ermittlungen zur gesamten Serie, am 10. September übernahm die Bundesanwaltschaft.

Amprion schrieb in seiner Pressemitteilung vom 2. September, mit hoher Wahrscheinlichkeit sei von Fremdeinwirkung auszugehen. Im selben Text hieß es, „die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen". Berichte über den Einsatz von Drohnen bestätigte keine Behörde. Nach Angaben der Ermittler wurde leitfähiges Material über eine Freileitung gelegt. Auswertungen der Netzdaten zeigten, wie knapp es war. Die Netzfrequenz sank um 20 Uhr auf 49,910 Hertz, rund 2.400 Megawatt fehlten binnen Sekunden, und der Ausgleichsstrom kostete um 20:45 Uhr fast 4.000 Euro je Megawattstunde (pv magazine, 4. September). Alle betroffenen Anlagen gehören zur kritischen Infrastruktur, deren Schutz seit dem Berliner Anschlag im Januar politisch ganz oben stand.

Ermittlungsstand

Ab dem 3. September lagen zwei handschriftliche Bekennerschreiben vor, unterschrieben mit Namen und Adresse. Der Verfasser, ein Mann aus Nordrhein-Westfalen, gab an, allein gehandelt zu haben, und nannte als Motiv die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Bundesinnenminister Dobrindt sprach am 4. September von „eindeutigem Täterwissen" und von Klimaextremismus eines mutmaßlichen Einzeltäters, NRW-Innenminister Reul sah damals „weniger für die staatlich fremde Macht". Zuvor hatten die Ermittler auch Linksextremismus und ausländische Akteure geprüft. Am 8. September wurde ein Verdächtiger festgenommen und kam in Untersuchungshaft, am 10. September übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Nach Stand 11. September gingen die Ermittler von einem Einzeltäter aus, abschließend geklärt war das nicht. Eine Anklage war nach Presselage vom 14. Oktober 2026 nicht bekannt. Namen nennen wir nicht, es gilt die Unschuldsvermutung.

Warum diesmal kein flächiger Stromausfall kam

Beide Angriffe trafen die oberste Ebene des Stromnetzes. Das Höchstspannungsnetz mit 380 und 220 Kilovolt verbindet Kraftwerke, Windparks und Regionen miteinander. Es ist als Maschennetz gebaut und nach einer einfachen Regel geplant, die Netzplaner n-1 nennen. Sie bedeutet, dass jede einzelne Leitung, jeder Transformator und jeder Kraftwerksblock ausfallen darf, ohne dass irgendwo die Versorgung abreißt. Genau das ist am 1. September passiert. Die Kurzschlüsse lösten Schutzschaltungen aus, Leitungen und Kraftwerksblöcke gingen vom Netz, der Rest des Netzes übernahm die Last. 50Hertz nannte dazu einen zweiten Faktor, an diesem Tag speisten Sonne und Wind viel Strom ein.

Radfahrer auf einem Feldweg im Morgenlicht, am Horizont die Silhouetten von Freileitungsmasten
Das Höchstspannungsnetz verbindet Regionen und trägt den Ausfall einer einzelnen Leitung.

Ganz anders sieht es eine Ebene tiefer aus. Das Verteilnetz mit 110 Kilovolt und weniger versorgt Stadtteile und Straßenzüge. Dort gibt es oft nur eine oder zwei Zuleitungen, und wenn beide gleichzeitig zerstört werden, bleibt ein ganzer Bezirk dunkel, bis die Reparatur abgeschlossen ist. In Berlin-Lichterfelde brannten im Januar 2026 fünf Kabel der 110-Kilovolt-Ebene und zehn Mittelspannungskabel auf einer einzigen Kabelbrücke. Deshalb dauerte der Ausfall dort gut vier Tage. Die Angriffe vom 1. September zielten auf ein Netz mit Reserve, die Berliner Anschläge trafen ein Netz ohne Reserve.

Einordnung

Der Innenminister sprach am 2. September von Glück, weil die meisten Vorrichtungen nicht auslösten. Beides gehört zur Bewertung, die eingebaute Reserve des Höchstspannungsnetzes und der Zufall. Bundesinnenminister Dobrindt sagte am selben Tag, Deutschland sei „tägliches Ziel hybrider Kriegsführung", auch wenn die Serie vom September nach damaligem Stand der Ermittler eher auf einen Einzeltäter zurückging. Für Haushalte heißt das, ein Angriff auf das Übertragungsnetz führt nicht automatisch zum Blackout, ein Angriff auf das Verteilnetz vor der Haustür kann dagegen mehrere Tage kosten.

Wann Anschläge Haushalte doch treffen

Vier Anschläge oder mutmaßliche Anschläge auf das Stromnetz von September 2025 bis September 2026 hatten sehr unterschiedliche Folgen. Die Tabelle zeigt, dass die Dauer weniger vom Angriff abhängt als von der Netzebene, die getroffen wird.

Fall Wann Betroffen Dauer Ursache
Berlin-Lichterfelde 3. bis 7. Januar 2026 rund 45.000 Haushalte, 2.200 Gewerbekunden gut vier Tage Brandanschlag auf eine Kabelbrücke
Berlin-Johannisthal 9. bis 11. September 2025 rund 50.000 Kunden 60 Stunden Brandanschlag auf zwei Strommasten
Reutlingen 8. bis 10. Juni 2026 rund 20.000 Haushalte (Netze BW, FairNetz) Privathaushalte bis zum Abend des 8. Juni, letzte Anschlüsse bis zum 10. Juni Brand im Umspannwerk, mutmaßlich Brandstiftung
Turnow-Preilack, Bergheim, Dormagen, Weisweiler, Schleife 1. bis 4. September 2026 keine flächigen Ausfälle keine flächige Unterbrechung, ein angrenzender Ort zeitweilig beeinträchtigt Sabotageserie am Höchstspannungsnetz

Der Berliner Fall ist der Maßstab, weil er mitten im Winter bei Frost mehrere Tage dauerte. Rund 45.000 Haushalte waren ohne Strom, betroffen waren laut Senat auch sechs Krankenhäuser und 74 Pflegeeinrichtungen und Pflege-WGs. Wie sich die Dauer eines Stromausfalls je nach Ursache unterscheidet, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben, ebenso die Lehren aus Berlin-Nikolassee und Reutlingen.

Was in den ersten Stunden ohne Strom ausfällt

Was passiert bei einem Stromausfall im Haushalt, wenn er nicht nach zwanzig Minuten vorbei ist? Die Berliner Tage im Januar 2026 liefern dafür belastbare Beobachtungen der Katastrophenforschungsstelle der FU Berlin und der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Die Reihenfolge ist fast immer dieselbe.

Licht und Netz 0 bis 1 Stunde
  • Licht, Router und WLAN fallen sofort aus, das Festnetztelefon meist mit.
  • Aufzüge bleiben stehen, Ampeln gehen aus. In Johannisthal regelte die Polizei den Verkehr per Hand.
  • Das Handy funktioniert zunächst noch, weil Mobilfunkmasten eine kurze Notstromreserve haben.
  • Wer eine Taschenlampe am festen Platz hat, merkt in dieser Phase kaum etwas.
Wärme und Handy 1 bis 6 Stunden
  • Die Heizung steht, auch Gas- und Fernwärmeheizungen brauchen Strom für Pumpen und Steuerung. In Berlin passierte das bei Frost.
  • Der Mobilfunk bricht weg. In Berlin fielen zahlreiche Mobilfunkstandorte aus, Notrufe waren zeitweise nicht möglich. Kommt kein Notruf durch, im Notfall wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus.
  • Kartenzahlung und Geldautomaten fallen aus, Supermärkte schließen. Bargeld hilft nur dort, wo noch verkauft wird.
  • Warnungen kommen über Cell Broadcast und die App NINA, solange Netz und Akku reichen.
Kühlung und Wasser 6 bis 24 Stunden
  • Der geschlossene Kühlschrank hält die Kälte einige Stunden. Für Gefriertruhen nennen die US-Behörden CDC und FDA als Richtwert etwa 48 Stunden, wenn sie voll sind, und etwa 24 Stunden, wenn sie halb voll sind.
  • In Hochhäusern stehen die Wasserpumpen, obere Stockwerke bleiben ohne Wasser. Warmwasser fällt fast überall weg.
  • Kochen geht nur noch ohne Strom. Campingkocher mit Gaskartusche sowie Gas- und Holzkohlegrills gehören laut BBK nur ins Freie, drinnen droht eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid. Für das Kochen in der Wohnung nennt das BBK den Gasherd, der oft weiter funktioniert, ein Stövchen mit Teelicht, ein Fondue-Set mit Brennpaste und einen Gaskocher, wenn er für Innenräume zugelassen ist. Mehr dazu im Ratgeber Kochen ohne Strom.
  • Jetzt entscheidet sich, ob Wasser und kalt essbare Lebensmittel für die Familie reichen.
Versorgung und Hilfe Ab Tag 2
  • Krankenhäuser und Pflegeheime laufen auf Notstrom.
  • Händler entsorgen verderbliche Ware, Ämter und Postfilialen bleiben geschlossen.
  • Ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbel wird zur wichtigsten Informationsquelle.
  • Nachbarschaft und Notfalltreffpunkte gewinnen an Bedeutung, wie in Reutlingen zum Laden von Handys.
Mann füllt in einer Hochhausküche im Dämmerlicht Wasserflaschen am Hahn, eine kleine Laterne steht auf dem Tisch
In Hochhäusern fällt das Wasser aus, sobald die Pumpen stehen. Ein Vorrat von 2 Litern pro Person und Tag überbrückt die ersten Tage.

Stromausfall-Vorsorge: Was Sie zu Hause prüfen können

Die Angriffe vom September 2026 sind kein Grund, den Keller vollzupacken. Sie sind ein Anlass, die einfachen Dinge zu prüfen, die in Berlin, Johannisthal und Reutlingen den Unterschied gemacht haben. Zwei amtliche Orientierungen helfen dabei. Die EU-Kommission kündigt in ihrer Vorsorgestrategie vom März 2025 Leitlinien an, damit die Bevölkerung mindestens 72 Stunden selbst zurechtkommt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich möglichst 10 Tage selbst versorgen zu können, mit rund 2 Litern Wasser pro Person und Tag. Den Anfang macht ein Vorrat für drei Tage, den man nach und nach ausbauen kann.

Selbst-Check für Ihren Haushalt
Haken Sie an, was bei Ihnen schon vorhanden ist.

Wer tiefer einsteigen will, findet die Vorsorge in unseren bestehenden Ratgebern ausführlich beschrieben. Eine Liste zum Abhaken steht in der Blackout-Checkliste für 14 Tage. Was in ein Notfallpaket für den Stromausfall gehört, haben wir Stück für Stück aufgeschrieben, ebenso wie Sie einen Wasservorrat anlegen. Die passende Menge für Ihren Haushalt rechnet der Notvorrat-Rechner in sechs Fragen aus. Eine Powerstation brauchen die meisten Haushalte nicht, nur bei besonderem Bedarf, etwa für medizinische Geräte nach Rücksprache mit Arzt oder Hersteller. Eine Einordnung steht im Beitrag zur Powerstation bei Stromausfall. Den politischen Rahmen, also den Ausbau des Zivilschutzes bis 2029, beschreibt unser Zivilschutz-Beitrag. Der nächste bundesweite Warntag ist am 9. September 2027, eine gute Gelegenheit, die eigenen Warnkanäle zu prüfen.

Wenn Sie es kompakt lösen wollen

Es gibt zwei Wege zur gleichen Vorsorge. Sie stellen Licht, Radio, Powerbank, Wasser und Lebensmittel selbst zusammen, mit Supermarkt, Baumarkt und einem Nachmittag Zeit. Oder Sie nehmen ein fertiges Set und stellen es in den Schrank. Beides funktioniert, der Unterschied ist der Aufwand. Unsere Sets ersetzen weder den Wasservorrat noch den 10-Tage-Vorrat nach BBK, sie decken die ersten Stunden und Tage ab, in denen es in Berlin und Reutlingen eng wurde.

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Häufige Fragen zu den Anschlägen auf das Stromnetz

Gab es am 1. September 2026 einen Stromausfall in Brandenburg oder Köln?

Keinen flächigen. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz bestätigte für Turnow-Preilack, dass die allgemeine Versorgung zu keiner Zeit beeinträchtigt war. Amprion schrieb für den Vorfall bei Bergheim, die allgemeine Stromversorgung sei zu keinem Zeitpunkt betroffen gewesen. Vom Netz gingen Kraftwerksblöcke, ein Block in Jänschwalde und fünf Blöcke von RWE im Rheinland. Die Gemeinde Rommerskirchen berichtete von zeitweisen Ausfällen in wenigen Straßen in Bedburg und Bergheim. Die Bundesanwaltschaft nannte am 10. September eine zeitweilige Beeinträchtigung der Versorgung in einem angrenzenden Ort.

Wer steckt hinter den Anschlägen auf das Stromnetz?

Ab dem 3. September lagen zwei handschriftliche Bekennerschreiben vor, mit Namen und Adresse unterschrieben. Der Verfasser, ein Mann aus Nordrhein-Westfalen, gab an, allein gehandelt zu haben, und nannte als Motiv die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Bundesinnenminister Dobrindt sprach am 4. September von eindeutigem Täterwissen und von Klimaextremismus eines mutmaßlichen Einzeltäters. Zuvor hatten die Ermittler auch Linksextremismus und ausländische Akteure geprüft. Am 8. September wurde ein Verdächtiger festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Am 10. September übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen versuchter und vollendeter verfassungsfeindlicher Sabotage und Störung öffentlicher Betriebe. Eine Anklage war nach Presselage vom 14. Oktober 2026 nicht bekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was ist die Vulkangruppe und steckt sie hinter den Anschlägen?

Die Vulkangruppe ist ein Name, unter dem sich linksextreme Täter in der Vergangenheit zu Anschlägen auf Stromleitungen bekannt haben, etwa 2024 bei Tesla in Grünheide und zum Brandanschlag in Berlin-Lichterfelde im Januar 2026. Für die Serie vom September 2026 gab es keinen belegten Bezug. Der Verfasser der Bekennerschreiben erklärte, allein gehandelt zu haben, und grenzte sich ausdrücklich von der linken Szene ab. Nach Stand 11. September gingen die Ermittler von einem Einzeltäter aus, abschließend geklärt war das nicht.

Wie sicher ist das deutsche Stromnetz gegen Sabotage?

Das Höchstspannungsnetz ist nach dem n-1-Prinzip gebaut, jede einzelne Leitung darf ausfallen, ohne dass die Versorgung abreißt. Genau das hat am 1. September funktioniert, Amprion sprach davon, dass alles konzeptgemäß lief. Kritische Infrastruktur bleibt trotzdem verwundbar, vor allem die mehr als 300 Umspannwerke der Höchstspannungsebene und das Verteilnetz vor der Haustür. Der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen zählt rund 1.200 Umspannwerke ohne Perimeterschutz. Das KRITIS-Dachgesetz gilt seit März 2026, die Verordnungen dazu fehlten Anfang September 2026 noch, Brandenburg kündigte am 3. September ein Sicherheitszentrum und ein Beleihungsgesetz für Betreiber an.

Wo sehe ich, ob bei mir gerade der Strom weg ist?

Zuerst am Sicherungskasten und bei den Nachbarn. Ob ein ganzer Ort betroffen ist, zeigt die Störungsauskunft des örtlichen Netzbetreibers, in Brandenburg zum Beispiel E.DIS, im Rhein-Erft-Kreis Westnetz, bundesweit die Seite stoerungsauskunft.de. Fällt mit dem Strom auch der Mobilfunk aus, bleibt für Behördenmeldungen ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbel.

Wie lange dauert ein Stromausfall nach einem Anschlag?

Das hängt davon ab, welche Netzebene getroffen wird. Am Höchstspannungsnetz hielt die Reserve, es gab keinen flächigen Ausfall. Im Berliner Verteilnetz dauerte der Ausfall nach dem Brandanschlag im Januar 2026 gut vier Tage, in Johannisthal im September 2025 rund 60 Stunden, in Reutlingen für Privathaushalte bis zum Abend des 8. Juni 2026, für die letzten Anschlüsse bis zum späten Abend des 10. Juni. Zu Beginn sieht jeder Ausfall gleich aus, deshalb lohnt es sich, die ersten Stunden im Haushalt ohne Hilfe von außen zu überbrücken.

Wie lange hält der Kühlschrank ohne Strom?

Ein geschlossener Kühlschrank hält die Kälte einige Stunden. Für Gefriertruhen nennen die US-Behörden CDC und FDA als Richtwert etwa 48 Stunden, wenn sie voll sind, und etwa 24 Stunden, wenn sie halb voll sind. Die Tür bleibt zu, bis der Strom wieder da ist. In Berlin mussten Händler nach mehreren Tagen verderbliche Ware entsorgen. Im Haushalt gilt: leicht Verderbliches zuerst und zügig verbrauchen, solange es noch kühl ist.

Hat man bei einem Stromausfall noch Wasser?

In den meisten Wohnungen zunächst ja. Bei längeren oder großflächigen Ausfällen kann die Wasserversorgung aber stocken. In Hochhäusern fällt der Druck aus, sobald die Pumpen stehen. Warmwasser fällt fast überall weg. Das BBK empfiehlt rund 2 Liter Wasser pro Person und Tag als Vorrat, für drei Tage sind das sechs Liter pro Person.

Funktioniert das Handy bei einem Stromausfall?

Anfangs meist ja. Mobilfunkmasten haben nur eine kurze Notstromreserve, in Berlin fielen im Januar 2026 zahlreiche Mobilfunkstandorte aus und Notrufe waren zeitweise nicht möglich. Warnungen per Cell Broadcast und über die App NINA kommen nur an, solange Netz und Akku reichen. Handy laden ohne Strom geht nur mit einer geladenen Powerbank oder einer Solar-Powerbank. Ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbel bleibt deshalb die verlässlichste Informationsquelle.

Wie viel Vorrat empfiehlt das BBK?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, sich möglichst 10 Tage selbst versorgen zu können, mit rund 2 Litern Wasser pro Person und Tag. Die EU-Kommission kündigt in ihrer Vorsorgestrategie vom März 2025 Leitlinien an, damit die Bevölkerung mindestens 72 Stunden selbst zurechtkommt. Ein Vorrat für drei Tage reicht als Einstieg und lässt sich schrittweise ausbauen.

Quellen und Stand

Stand dieses Berichts: 14.10.2026. Wir schreiben ihn nicht mehr fort. Zahlen zu Betroffenen und Dauer stammen aus den jeweils genannten Quellen, Zitate sind mit Sprecher und Datum gekennzeichnet. Die Empfehlungen zur Vorsorge folgen dem BBK und der EU-Kommission, unsere Produkte sind davon unabhängig und nicht behördlich geprüft oder empfohlen.

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